Stromer ST 1x

Viele technische Details findet ihr auf der Website von Stromer.

Mittelmotor: Vor- und Nachteile

Sehr verbreitet sind Mittelmotoren. Diese unterstützen das Fahren, in dem die Motorkraft über die Kette/Rahmen auf das Hinterrad übertragen wird. Damit wird zwar der Antriebsstrang mit belastet, aber sich habe natürlich auch die Vorteile der Übersetzung, die ich mit nutzen kann. Nachteil: Kette und Ritzel halten nicht so lange, Schaltvorgänge sind sehr belastend und machen sich mit lautem knacken bemerkbar, wenn der Motor gerade richtig „reintritt“. Man kann sich das vorstellen wie ein Schalten an einem sehr steilen Berg.

Heckmotor – Der Unterschied

Stromer verfolgt hier ein anderes Konzept: Hier ist ein starker Motor im Hinterrad (Nabenmotor) verbaut. Vorteil: Der Antriebsstrang (Kette/Schaltung) bleiben ohne Mehrbelastung (Verschleiß), das Schalten funktioniert wie bei einem normalen Fahrrad auch unter „Normallast“.

Das Fahrgefühlt mag ich persönlich deutlich lieber als bei einem Mittelmotor: Ich fühle mich wie sanft aber kräftig angeschoben, anstatt einer ruppigen Tretunterstützung an den Pedalen. Außerdem arbeitet der Motor quasi geräuschlos.

S-Pedelec – Aber richtig

Ich kann Euch berichten: Nachdem ich das Riese&Müller gefahren bin, bei dem ich ja nur mit einiger Eigenleistung auf meine 38 km/h gekommen bin, brachte mich das Stromer ohne nennenswert Anstrengung zu investieren ruckzuck auf 45 km/h. Ich war auf der ersten kurzen Teststrecke sofort begeistert. So etwas cooles habe ich bis jetzt noch nicht gefahren. Gleich mal eine Brücke rauf – immer noch mühelos 38 km/h – mit etwas mehr Eigenleistung dann 43 km/h. Perfekt!

Also habe ich das Stromer ST1x mitgenommen und wollte es am nächsten Tag auf meiner Alltagsstrecke zur Arbeit nutzen. Meine Erwartungshaltung entsprechend hoch.

Die ersten Eindrücke des ST1x

Das Bike ist recht schwer (knapp 30 kg) – stört aber nicht, wenn man es sowieso mit Motor bewegen möchte.

Besonders: Ein Touch-Display im Rahmen. Hier nimmt man verschiedene Einstellungen vor, kann die Sensoren auslesen, im Fahrbetrieb kann ich hier aktuelle Geschwindigkeit, Fahrzeit und Fahrstrecke (was ein Bordcomputer halt so hergibt) ablesen. Nicht optimal während der Fahrt, weil man immer nach unten auf den Rahmen schauen muss. Störte mich aber in der Praxis nicht wirklich.

Sieht sehr schick aus. Das minimalistische Design wirkt aufgeräumt und gefällt mir gut.

Bedienelemente für die 3 Unterstützungsstufen und Licht sind bequem mit dem Daumen zu erreichen und fühlen sich gut an.

Schutzbleche und Gepäckträger wirken stabil – wie das ganze Bike: Alles sehr wertig und robust.

Es gibt keine Federgabel oder sonstige Dämpfungselemente. Der Sattel ist bequem und sieht gut aus. Ein Scheinwerfer macht gut Licht – er leuchtet die Straße schön breit und in der nötigen Helligkeit aus.

Die Arbeitsstrecke

Munter und voller Erwartungen bin ich morgens losgefahren. Ich hatte am Vorabend den Akku voll geladen und die Rekuperation auf 80% gestellt. Meine erste Teilstrecke geht den Berg runter und beim Bremsen merkte ich erstmal nichts vom Rekuperieren. Kein Wunder: Der Akku war ja noch voll. Da macht er das auch nicht. Egal: Die Bremsen sind ok, trotz der ca. 125kg Gesamt-Masse, mit der ich mich den Berg runter bewege.

Das Handling ist sehr gut. Ich habe das Gefühl sehr wendig zu sein und das ST1x fühlt sich extrem agil an. Beschleunigung auf 45km/h geht einwandfrei. Nachdem der Akku dann nach einigen KM Fahrt auch auf 90% abgefallen ist, merkte ich beim Bremsen auch die Verzögerung durch den Motor. Dieser bremst bei den eingestellten 80% sehr gut und reicht für das normale, vorausschauende abbremsen eigentlich immer aus. Ausgelöst wird das durch das leichte ziehen des Hinterrad-Bremshebels. Sehr angenehm und ein großes Plus: Kein quietschendes Bremsen mit kräftigem Ziehen in den Fingern, sondern mit einem Finger ein deutliches abbremsen.

Mit viel Begeisterung fahre ich also die ca. 20km meine gewohnte Strecke. Dabei nutze ich so gut wie möglich die Straßen, anstatt der Radwege. Doch gerade bei Feldwegen habe ich nicht immer eine spontane Ausweichmöglichkeit gefunden – hier muss ich wohl mal etwas Zeit in eine alternative Straßenroute investieren. Da aber morgens nichts los ist, fahre ich vorsichtig und sehr aufmerksam meine gewohnten Strecken weiter.

Nach knapp 40min erreiche ich mein Ziel. Erste Ernüchterung: Ich bin kaum schneller als mit meinem Pedelec. Nicht so schlimm, da ich deutlich weniger angestrengt war. Außerdem hatte ich einige Verkehrshindernisse, bei denen ich anhalten oder kleine Umwege fahren musste. Vielleicht war durch meine Straßenabschnitte der Weg auch etwas länger. Also alles ok. Der Akku zeigte noch eine Restkapazität von 70% an. Das sollte für den Heimweg reichen.

Viele meine Kollegen erkundigten sich über meine Erfahrungen damit und bestaunten das ST1x. War ein echter Magnet 🙂

Abends fühlte ich mich etwas verspannt, Nacken- und leichte Kopfschmerzen. Gar nicht so schlecht: Jetzt zeigt sich, ob das Stromer-Bike mich auch in diesem Zustand gut nach Hause bringt – ganz ohne Qual 🙂

Auch auf dem Rückweg war ich wieder flott unterwegs. Meine Beine verrichteten nicht nennenswert Arbeit – trotzdem bin ich mit meistens um die 43km/h gut unterwegs gewesen. Aber: Ich merkte die Anstrengung anderweitig: Durch die fehlende Federung kam jeder Schlag durch Unebenheiten, Schlaglöcher oder auch nur Fahrbahnverschmutzung in meinem Nacken sehr direkt an. Das Festhalten des Lenkers bei den Geschwindigkeiten und der unebenen Fahrbahn erfordert nicht nur starke Konzentration (Schlaglöcher, Verkehr, etc.) sondern auch viel Anstrengung in Händen und Armen.

Die letzten KM geht es bei mir bergauf. Laut Kommot mit Steigungen bis 24%. Um nicht die Fahrstraße mit dem Feierabendverkehr nutzen zu müssen, entschied ich mich über die Weinberge zu fahren. Der erste Anstieg ist heftig – aber nur einer von 3 Anstiegen dieser Art. Ich schaltete in den ersten Gang, hatte aber bereits auf den ersten Metern den Eindruck, dass mich der Motor verlassen hat. Ich strampelte noch ein wenig weiter. Doch dann wurde es mir zu anstrengend: Ich hätte schieben müssen. Ich entschied mich doch umzukehren und die Fahrstraße zu fahren. Hier ging es mit 38 km/h zwar auch bergauf – aber eben schnell 🙂

Die steilen Passagen den Berg hoch, wurde es dann doch weniger. Ich schaffte mit meinen nun doch schon etwas angeschlagenen Zustand (Kopfschmerzen und müde) und nicht mehr viel Eigenleistung nur noch ca. 12 km/h. Ich legte mich nochmal richtig ins Zeug und trat kräftig mit. Dann unterstützte der Motor auch wieder mehr und ich kam auf ca. 18-22 km/h. So kam ich gut nach Hause – auch wenn die Bergstrecke nicht so schnell war, wie ich sie mir erhoffte. Der Akku zeigte eine Restladung von 22% an.

Der Abend war nicht so doll und auch am nächsten Tag verspürte ich kein direktes Verlangen wieder mit dem Stromer zu fahren. Meine Schulter- und Nackenmuskulatur war sehr hart und schmerzhaft. Ich schiebe einen Teil auf das „gerüttelt“ bei der Fahrt.

Doch wie sieht es mit der Zeit aus? Für den Heimweg waren es insgesamt ca. 55 Minuten. Das ist eine deutliche Verbesserung. Mit dem Pedelec brauche ich ca. 1 Stunde 10 Min. Komme aber auch mehr ins Schwitzen.

In Summe habe ich einen Zeitgewinn von ca. 15-20 Minuten gegenüber dem Pedelec. Warum nicht mehr, wenn ich doch fast doppelt so schnell fahren kann? – Nunja: Bei Querstraßen, Verkehr, freilaufenden Hunden, Ampeln, etc. muss ich genauso anhhalten, wie mit einem Pedelec oder Fahrrad. Daher habe ich nicht wirklich eine doppelte Durchschnittsgeschwindigkeit. Die Beschleunigung ist mit einem Pedelec ähnlich. Auch auf Feldwegen oder Nebenstraßen, die sehr schlecht sind, kann ich keine 45km/h fahren. Die Gefahr eines Schlagloches ist doch zu groß. Daher ist es nur auf den wenigsten Teilstrecken möglich gewesen wirklich schnell zu fahren.

Fazit

Das Stromer ST1x ist ein cooles Fahrrad. Auf der Ebene und bei guten Straßen das Beste, was ich bis jetzt gefahren habe – auch für das Geld. Leider zeigte mir meine bisherige Alltagsstrecke, dass diese so nicht für das Stromer ideal war. Das Ziel mühelos und auch am Folgetag wieder gerne aufzusteigen hat es so erstmal verfehlt. Um andere Strecken auszuprobieren und ggf. einen schlechten Tag nicht zu sehr zu Gewichten, müsste ich das Bike noch länger haben. Das ist auch der Grund, weshalb ich die Hersteller gebeten habe mich zu unterstützen und mir das S-Pedelec für 1-2 Wochen zu Verfügung zu stellen. So gab es doch zu viele Punkte, die das Ziel „täglich mit dem Stromer ST1x“ zu fahren zunächst weiter in Ferne rückt. Ich werde noch weiter andere Modelle testen und experimentieren. Trotzdem bleibt das Stromer ST1x ein cooles S-Pedelec mit vielen Vorteilen.

Wenn ich mir etwas Wünschen dürfte: Den Motor und Design vom Stromer ST1x, mit Federgabel, gefederter Sattelstütze und Supermoto-Reifen. Vielleicht bringt auch der neue Motor Synodrive im ST2/3/5 mehr Leistung, so dass ich auch die steileren Anstiege noch schneller und besser bewältigen könnte…leider habe ich hier (noch) keine Möglichkeit das auszuprobieren. Mal sehen, ob sich Stromer noch überreden lässt, mir das zu ermöglichen.

Knut

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