Fahren mit 45 km/h

Nachdem ich nun schon einige Tage mit Pedelecs und S-Pedelecs unterwegs bin, möchte ich gerne mal ein paar Gedanken zum Fahren mit einem S-Pedelec mit euch teilen.

Zur Erinnerung: S-Pedelecs unterstützen bis 45 km/h. Damit ist es als Kraftrad zulassungspflichtig mit Kennzeichen und Versicherung zu fahren. Mit ordentlichen Reifen und ambitioniertem reintreten erreiche ich laut Tacho bis ca. 56 km/h auf ebener Strecke. Das ist schon ganz ordentlich.

Doch was geht mir durch den Kopf, wenn ich so schnell unterwegs bin und welche Gedanken und Überlegungen mache ich mir damit?

Die Strecke

Wenn ich schon schnell fahren kann, möchte ich auch gerne schnell am Ziel sein. Ich möchte ja möglichst nahe an die Zeit, die ich mit dem Auto benötige rankommen.

Mit Komoot kann ich sehr bequem Strecken am PC planen. Ich kann sehen, ob die Straßen befestigt sind, wieviel km ich fahren muss und welche Steigungen auf meiner Strecke sind.

Auf meinem Arbeitsweg habe ich nun schon einige Strecken ausprobiert. Doch mit dem S-Pedelec erweiterten sich meine Möglichkeiten noch einmal: Wichtig sind zusätzliche Eigenschaften, die ich an die Strecke bereits habe (Nebenstraßen, Wenig befahren, …):

  • Gerade Strecken
  • Wenig „rechts-vor-links“ Seitenstraßen
  • Guter Asphalt
  • Wenig Verkehr
  • Wenig Ampeln
  • Wenig Fußgänger / Tiere

Dagegen treten andere Bedürfnisse eher in den Hintergrund:

  • Steigungen
  • Umwege
  • Längere Strecken

Verkehr und Andere

Mit einem S-Pedelec wird man in der Regel rein rechtlich auf Straßen verbannt, die man sich mit dem anderen Kraftfahrzeugen teilen muss. Dazu gehören hauptsächlich PKWs, LKWs und Motorradfahrer. Aber auch Landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge wie Traktoren.

Das Problem: 45 km/h ist eine Geschwindigkeit, die für die meisten Kraftfahrzeuge zu langsam ist. Vor allem in 50er oder 70er Bereichen ist der allgemeine Verkehrsfluss meistens etwas darüber und damit stelle ich mit meinem S-Pedelec ein Hindernis für den Rest dar.

Die allermeisten Verkehrsteilnehmer fahren sehr rücksichtsvoll und halten beim Überholen viel Abstand. Drängeln auch nicht, wenn das Überholen gerade nicht möglich ist und verhalten sich wirklich vorbildlich, so dass ein sicheres Miteinander gewährleistet ist. Leider gibt es aber auch die „Anderen“: Fahrzeuge, die riskante Überholmanöver durchführen – an schlecht einsehbaren Stellen, Überholvorgänge mit einem Abstand von wenigen Zentimetern, etc.

In mir wächst die Sorge, dass hier doch der eine oder andere schwere Unfall vorprogrammiert ist. Mit knapp 50km/h reicht ein kleiner Stoß an den Lenker, und man verunglückt schnell. Ich glaube keiner möchte bei dieser Geschwindigkeit verunfallen. Zumal außer einem Helm die Schutzkleidung im Straßenverkehr für Pedelecs/Fahrräder doch eher spärlich ausfällt.

Ich appelliere deshalb an alle KFZ-Führer, unbedingt mehr Rücksicht auf die S-Pedelec-Fahrer zu nehmen, solange es noch keine bessere Regelungen in der Gesetzgebung gibt.

Sicher keine neue Erkenntnis: Aber S-Pedelecs gehören aus meiner Sicht aktuell nicht in den Straßenverkehr. Dann lieber auf Feld- und Radwege. ABER: Mit entsprechender verantwortungsvoller Fahrweise!

Fahrbahnbeschaffenheit

Bei einer Geschwindigkeit von knapp 50 km/h spielt die Fahrbahnbeschaffenheit eine nicht unwesentliche Rolle. Bitumenflicken, Löcher in der Fahrbahn, Steine oder Querrillen können bei dieser Geschwindigkeit verheerende Auswirkungen haben. Um so wichtiger, dass das S-Pedelec auch für eine solche Fahrbahn ausgelegt ist. D.h. eine Dämpfung (durch Federelemente oder Reifen) ist ebenso wichtig, wie der richtige Reifendruck und das Reifenmaterial selbst. Die Unterschiede sind frappierend und ich merke die verschiedenen Setups sehr deutlich.

Geht auch langsamer?

Ein Hauptgrund für ein Pedelec liegt in der Motivation sich selbst sportlich zu betätigen. Der Anreiz ist zumindest bei mir enorm.

Ich kann mit einem Pedelec mit viel weniger Anstrengung genauso schnell, wie mit einem Fahrrad fahren. Umgekehrt kann ich aber auch bei gleicher Anstrengung, wie bei einem Fahrrad mit einem Pedelec viel schneller fahren. Genau hier liegt das antrainierte Verhalten: Ich fahre auch mit Motorunterstützung mit ordentlichem Tritt. Damit bekommt man automatisch auch Tempo. Bei einem S-Pedelec ist man also sehr schnell bei Tempo 38-43 km/h – und das macht auch Spaß. Also: Langsamer fahren strengt an, weil man sich permanent zurücknehmen muss. Die Abstufung bei der Unterstützungsstufe muss hier entsprechend gut gewählt sein, so dass damit das Tempo gedrosselt werden kann.

Die Geschwindigkeit

Die Geschwindigkeit empfindet ja jeder anders. Ich habe für mich festgestellt, dass eine Geschwindigkeit von ca. 32-35km/h noch angenehm zu fahren ist. Bei einem Tempo ab 45 km/h muss ich deutlich aufmerksamer fahren: Ich muss nach Schlaglöchern und Fahrbahnunebenheiten Ausschaut halten, auf langsamere Verkehrsteilnehmer (Fußgängern, Fahrradfahrern, etc.) achten, längeren Bremsweg einrechnen, auf Fliegen/Wespen achten, die mir plötzlich ins Gesicht klatschen können, u.v.m.

Das Resultat ist bei mir eine gewisse Verspannung – vor allem im Nackenbereich. Die Fahrt selbst ist weniger erholsam und ich komme weniger entspannt an.

Und obwohl man sich an die Geschwindigkeit gewöhnt und obwohl es wirklich toll ist, dass ich mit dem S-Pedelec kaum mehr Zeit zur Arbeit brauche, als mit dem Auto (ohne zu schwitzen): Ich bin mir noch nicht sicher, ob der Erholungswert bei der Fahrt nicht mit einem langsameren Pedelec höher ist. Für mich wäre eine Geschwindigkeit um die 33 km/h ein guter Kompromiss. Dieser ist heute jedoch nur mit S-Pedelecs realisierbar – und der stärkere Motor hilft natürlich auch bei Anstiegen gut weiter.

Knut

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